Verfasst von: Peter N. | November 19, 2009

Erdbebennorm gegen überdimensionierte Dachausbauten in Wien

In unserer Hauptstadt wurden in der jüngeren Vergangenheit die Kriterien für den Dachausbau verschärft, darüber habe ich in mehreren Beiträgen berichtet. Eine deutliche Änderung ergab sich für die Bauträger durch die europaweite Vereinheitlichung von Baunormen im Bereich der Erdbebensicherheit. Jener Eurocode 8, der die Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben regelt, wurde für Wien so adaptiert, dass er zwar weiterhin eine Nachverdichtung nach oben zulässt, aber übergroße Dimensionierungen von Dachausbauten erschweren soll.

Laut der neuen Regelung darf sich die Statik des Altbaus durch den Dachausbau nämlich nicht nachteilig verändern. Konkret heißt das, dass bei großen und schweren Dachausbauten nun eine statische Durchrechnung und eine Abstützung der Dachbodenlast bis zum Fundament hinunter verlangt wird, was bei bewohnten Gebäuden nur schwer möglich ist. Weil die Planer seit Frühjahr 2008 für die Einhaltung dieser Erdbebennormen gerade stehen müssen, steht in Wien nun laut einem Vertreter der Bauträger die Entwicklung von mehreren Hundert Dachausbauten, die von der Baupolizei schon bewilligt wurden, still.

Sollte aber in Zukunft tatsächlich einmal (wieder) die Erde beben, dann kann es sich für die Bewohner nur auszahlen, wenn ihre Häuser dem Eurocode 8 entsprechen. Falls das nicht der Fall sein sollte, dann schützt die Erdbebennorm Wien zumindest vor häßlichen Bausünden.

Verfasst von: Peter N. | November 14, 2009

Solarstrom aus dem All

Bild von Jim-AR

Werden die Flächen, die sich für die Erzeugung von Solarstrom eignen, auf unserer Erde denn wirklich schon so knapp? Die japanische Raumfahrtagentur JAXA will nämlich ein Solarkraftwerk im Weltraum bauen. Nach und nach soll dieses Projekt in den nächsten Jahren vorangetrieben und immer mehr erweitert werden, beginnend mit einer nur 100 Kilowatt großen Anlage als Prototyp, die als erstes in die Umlaufbahn transportiert und dort zusammengesetzt wird.

Ab 2020 soll die Kapazität des Kraftwerks in einem zweiten Schritt auf über 10 Megawatt anwachsen und bis zum Jahr 2030 sogar auf 1 Gigawatt erweitert werden, wobei dann eine Fläche von mehr als sechs Quadratkilometern mit Photovoltaikmodulen bestückt sein wird. Der Strom, der dort erzeugt wird, soll in energiereiche Mikrowellen umgewandelt und zur Erde geschickt werden, wo er von speziellen Antennen aufgefangen und wieder in Strom zurückverwandelt wird. Hoffentlich ist diese Technologie auch sicher für Mensch und Umwelt, wenn der Energiestrahl einmal die Antenne verfehlt…

Die NASA plant im Übrigen ein ganz ähnliches Projekt und will mit 2016 sogar schon vor den Japanern Sonnenstrom aus dem All auf die Erde bringen. Gänzlich unwahrscheinlich scheint es also nicht, dass in einigen Jahren tatsächlich Solarkraftwerke im All ihren Dienst tun, obwohl ich da noch sehr skeptisch bin. Wie umweltfreundlich diese Anlagen sind, wage ich gleich überhaupt nicht zu beurteilen.

Weblink zum Thema: Space solar power system (SSPS) in Englisch

Verfasst von: Peter N. | November 12, 2009

Ferrari World Abu Dhabi

Auf der Insel Yas entsteht gerade mit der „Ferrari World Abu Dhabi“ der größte überdachte Vergnügungspark der Welt. In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres soll diese Attraktion nach nur vierzehn Monaten Bauzeit eröffnet werden und dann Gäste aus der ganzen Welt mit seinen Attraktionen anlocken. Besucher werden dann unter anderem eine Fahrt mit der schnellsten Achterbahn der Welt unternehmen können, die mit 200km/h über die Gleise jagt. Ein guter Magen dürfte Voraussetzung sein, um dieser Erlebnis wirklich genießen zu können.

Über dem Themenpark erstreckt sich ein Metalldach, das eine Fläche von über 200.ooo Quadratmetern einnimmt. Im typischen Ferrari-Rot gehalten und so groß wie 50 Fußballfelder, ist diese Konstruktion das größte Raumfachwerk der Welt. In zehn monatiger Arbeit wurden die Metallbahnen für dieses Dach direkt vor Ort und teilweise in einer Höhe von bis zu 50 Metern hergestellt. In Zahlen heißt das, dass über 24.600 Metallbahnen mit einer Länge von insgesamt 600km produziert wurden, wobei einzelne Bahnen bis zu 96 Meter lang sind.

Was natürlich auf so einem Rekorddach und ikonischem Themenpark auch nicht fehlen darf, ist das Firmenlogo von Ferrari, das einen Durchmesser von 66 Metern hat und sogar aus dem Weltall sichtbar ist…

Schöne Ansichten von dem ganzen Komplex gibt es in diesem Video.

Verfasst von: Peter N. | Oktober 26, 2009

Abtragen, Sprengen oder…

In Wien wird gerade der 200 Meter hohe Schlot von Block 6 des Kraftwerks Simmering abgerissen. Eine Sprengung stand nicht zur Debatte, weil die Autobahn zu nah ist und auch in die anderen Richtungen zu wenig Fallraum vorhanden ist. Deswegen wurde im Inneren des Schlotes ein Bagger bis and die Spitze gehoben, der von oben beginnend jeden Tag mehr als einen Meter von der Bausubstanz abträgt. Weil diese Arbeit im Turm für Menschen zu gefährlich wäre, wird die Maschine von einer Plattform aus ferngesteuert.

Vielleicht gäbe es ja auch bei so schwierigen Abrissarbeiten Möglichkeiten, den ganzen Ablauf zu beschleunigen, auch wenn der Einsatz von Sprengstoff sich verbietet. Vielleicht aber auch nicht…

Ich verfolge nach wie vor die vor allem in den Vereinigten Staaten ausgetragene Diskussion über die segensreichen Effekte, die weißgestrichene Dächer auf die Erderwärmung und das Wohnklima in Häusern haben sollen. Wer sich für dieses Thema interessiert, findet auf meinem Blog und im Internet viele Artikel dazu. In diesem Beitrag geht es aber weniger generell um weiße Dächer und ihre Auswirkungen, sondern um ein spezielles Polymer, dass Forscher am MIT entwickelt haben.

Ein Kritikpunkt an den Thesen der Befürworter von hellen Dachflächen ist nämlich, dass die positiven Auswirkungen sich in kälteren Regionen ins Gegenteil verkehren, weil höhere Heizkosten im Winter die Einsparungen beim Kühlen im Sommer wieder aufheben. Eine Lösung für dieses Problem soll Thermeleon bieten, ein Material, dass seine Farbe der Außentemperatur anpassen kann.

Bild von mitnews

Wenn es kalt ist, dann ist ein Thermeleon – Dachziegel schwarz, weil das Polymer im aufgelöstem Zustand bleibt und nur die dunkle Auskleidung zu sehen ist. Wird es aber wärmer, dann formen sich aus dem Polymer kleine Tröpfchen, die das Sonnenlicht reflektieren und dem Ziegel ein weißes Aussehen verleihen. Unter Laborbedingungen funktioniert das bereits, und für die Zukunft ist sogar geplant, Thermeleon als einfachen weißen Lack zu vertreiben, der dieselben Fähigkeiten wie der Prototyp aufweist.

Verfasst von: Peter N. | Oktober 21, 2009

Das surPLUShome der TU Darmstadt

Ich will einmal so frei sein und die Wikipedia zitieren, die definiert, worum es sich bei dem Solar Decathlon handelt: „Der Solar Decathlon ist ein architektonischer sowie energietechnischer Wettbewerb, der vom US-Ministerium für Energie ausgelobt wird, mit dem Ziel ein energieautarkes Gebäude für das Wohnen im Jahre 2015 zu entwerfen. Die Häuser dürfen ihren Energiebedarf nur über selbst produzierten Solarstrom decken.“

Das Besondere an diesem Wettbewerb ist, dass daran nur Studententeams von Universitäten auf der ganzen Welt teilnehmen. Diese Teams haben zwei Jahre Zeit, ihr Projekt zu planen und in die Tat umzusetzen. Am Ende dieser Frist findet eine zweiwöchige Endausscheidung in Washington D. C. statt, während derer die verschiedenen Projekte in unterschiedlichen Disziplinen beurteilt werden.  Gewonnen hat heuer, wie auch schon im Jahr 2007, der deutsche Beitrag, nämlich das Team der TU Darmstadt mit einem Plusenergiehaus.

Die deutschen Studenten haben ein würfelförmiges, zweistöckiges Wohnhaus entwickelt, bei dem nahezu alle Oberflächen mit Solarkollektoren bedeckt sind. Am Dach befinden sich 40 monokristalline Solarzellen, während an den Gebäudeseiten rund 250 CIGS-Solarzellen in Dünnschichttechnologie angebracht wurden, die auch bei indirekter Sonneneinstrahlung einen hohen Wirkungsgrad aufweisen. Insgesamt können alle Module so den Energiebedarf des Hauses mehr als doppelt abdecken oder in anderen Worten: Das surPLUShome könnte noch ein anderes Haus mit Strom mitversorgen.

Damit die Temperatur im Inneren bei jeder Witterung angenehm bleibt, ist das Solarhaus mit dünnen Vakuumisolationspaneelen gedämmt und mit Fensterblenden ausgestattet, die sich automatisch schließen, um einer unerwünschten Erwärmung durch die Sonne entgegenzuwirken. Weiters ist das Gebäude mit einer geregelten Lüftung und einer Wärmerückgewinnung sowie mit einer Wärmepumpe ausgestattet.

Vollgestopft mit modernster Technologie ist das surPLUShome also, und vielleicht ist es dabei ja sogar wohnlich. Zumindest die benutzung der Dusche wäre für mich aber gewöhnungsbedürftig, wenn ich mir dieses Video so ansehe…

Verfasst von: Peter N. | Oktober 8, 2009

Animationsvideo Green Lighthouse in Kopenhagen

In Kopenhagen wird auf dem Campus der naturwissenschaftlichen Fakultät gerade das Green Lighthouse, ein Modellhaus für CO2-neutrales Bauen, errichtet. Solarthermie, Photovoltaik und die Nutzung der Geothermie sorgen dort für die Bereitstellung der benötigten (Heiz-)Energie. Ausreichende Beleuchtung in den Innenräumen wird über eine große Anzahl von Dachfenstern und Fassadenfenstern erzielt und durch elektrische Leuchten und Jalousien ergänzt, die sich automatisch der Intensität des natürlichen Lichts anpassen.

Dieses Kooperationsprojekt von Velux, Velfac, der UBST und der Stadt Kopenhagen soll rechtzeitg zur UN Klimakonferenz in der dänischen Hauptstadt Anfang Dezember fertiggestellt sein und wird dann hoffentlich eine Inspiration für die Verhandler sein. Ein Rundgang durch das Modellhaus ist aber auch jetzt schon möglich, wenn auch nur in Form einer Animation und leider nur mit Beschreibungen in englischer Sprache.

Verfasst von: Peter N. | September 30, 2009

Österreich und die Photovoltaik

Wer ein wenig Polemik nicht scheut, kann derzeit auf der Webseite oekonews.at in der Kategorie „Sonnenenergie“ einige interessante Meldungen zum Stand der Photovoltaik in Österreich nachlesen. Konkret geht es darin vor allem um das einigermaßen missglückte Anmeldeverfahren bei der heurigen Photovoltaik-Förderaktion des Klima- und Energiefonds. Viele Antragsteller konnten ihre Formulare aufgrund von überlasteten Leitungen nicht zeitgerecht einbringen. Erschwerend kam hinzu, dass einige Webseiten des Klimafonds nicht zeitgerecht aktualisiert worden waren und sogar Links platziert waren, die in ins Leere führten.

Bild von Justin Ryon

Auch das Auswahlverfahren selbst wird aber heftig kritisiert. Die Antragsteller mussten eine etwaige Landesförderung in Anspruch nehmen, in Niederösterreich beträgt diese beispielsweise 50 Prozent. Da die Gesamtförderquote laut den Richtlinien der Förderaktion 60 Prozent nicht überschreiten darf, trägt der Klimafonds in diesem Fall also nur 10 Prozent der Anlagekosten. Bei einem Fördervolumen von 4,7 Millionen Euro stünde so genug Geld zur Verfügung, um insgesamt 1.900 Anlagen mit 5 kWp zu fördern.

Tatsächlich erhielten vorläufig aber nur 426 Antragsteller einen positiven Bescheid, denn die Landesförderung wurde bei der Berechnung der Förderzusagen einfach ignoriert. Die Anträge auf der Warteliste werden aber erst dann abgearbeitet, wenn die ersten Projekte abgeschlossen sind. Da die NÖ Landesförderung mit 31.12.2009 ausläuft, kann man nur hoffen, dass die zuständigen Stellen schnell arbeiten.

Verfasst von: Peter N. | September 22, 2009

Gründächer als Kläranlagen

Bild von Birkenzweig – So sehen Kläranlagen gewöhnlich aus

Hartmut Bauer, der bei John Deere europaweit für die Einhaltung der Umweltauflagen und für das Ideenmanagement zuständig ist, hat auf einem Industriegebäude seiner Firma in Mannheim eine ökologische Kläranlage auf einem Gründach errichtet. Das Konzept, das in dieser Art weltweit ziemlich einzigartig sein dürfte, nutzt sich ergebende Synergieeffekte und könnte auch für andere Objekte interessant sein.

Auf 150 Quadratmetern Flachdach stehen verschiedene Binsen-, Carex- und Irisgewächse in zehn Zentimeter tiefem Abwasser. An ihrem Wurzelwerk bilden sich Mikroorganismen, die die Schadstoffe herausfiltern. Die ganze Anlage kann auf diese Weise täglich gut zehn Kubikmeter Wasser klären, das über Rohre abgeleitet wird, um dann im Boden zu versickern.

Ein weiterer Effekt dieses Gründachs ist, dass es ganz nebenbei die Luft in der Umgebung reinigt. Die „Klärpflanzen“ produzieren mehr Sauerstoff als CO2 und wenn es nach dem Erfinder geht, dann könnten seine Dachkläranlagen flächendeckend sogar dazu beitragen, das Feinstaubproblem zu lösen. Vielleicht noch interessanter ist, dass die grüne Pracht auch als natürliche Dämmung wirkt und das Gebäude im Sommer bedeutend kühler und im Winter bedeutend wärmer hält.

Die Dachkläranlage soll im Vergleich mit chemischen Kläranlagen sowohl im Bau als auch im Unterhalt günstiger sein, wobei die Qualität der Abwasserreinigung aber mindestens genauso gut sein soll. Außerdem sollen selbst geneigte Dächer mit terrassierten Anlagen ausgerüstet werden können. Nachdem Bauer schon einen Vertrieb für seine Erfindung gefunden hat, könnten wir in einigen Jahren vielleicht schon mehr von diesen Projekten zu Gesicht bekommen.

Verfasst von: Peter N. | September 15, 2009

Die bewegliche Gaube

Die Jaro Gmbh stellt auf ihrer Webseite eine „geniale Weltneuheit für den Dachausbau“ vor, die letztes Jahr auf der Fachmesse „Schöner Bauen – Besser Wohnen“ zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Dabei handelt es sich um eine Gaube, die beiseite fährt. Die ganze Konstruktion liegt auf zwei Schienen auf, die waagrecht zum Dachfirst verlaufen. Mit Hilfe eines Elektromotors bewegt sich „MoveRoof“ entlang dieser Schienen, kann aber im Falle eines Stromausfalls auch manuell bedient werden. Das sollte aber kaum notwendig sein, denn eingebaute Batterien, die sich im Netzbetrieb automatisch aufladen, speichern genug Energie für 10 Torzyklen.

Eine traditionelle Gaube lässt weniger Licht ins Haus als ein Dachfenster

Wenn die bewegliche Gaube ihren angestammten Platz verlässt, öffnet sich das Dach so, als ob ein Dachfenster ohne Glasscheibe verbaut wäre. Dadurch kommt viel mehr Licht in die darunter liegenden Räume, als es normalerweise bei Gauben üblich wäre. Falls es aber zu regnen beginnt, schließt sich „MoveRoof“ automatisch. Die Konstruktion ist für Dächer mit einer Neigung von 35 – 50 Grad geeignet, es sind aber auch Sonderanfertigungen möglich.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich „MoveRoof“ eher in die Kategorie kurios oder innovativ einordnen soll. Vielleicht ist das System eine Nischenlösung für Bauherren, die das Beste aus zwei Welten auf ihrem Dach ineinander vereinen möchten. Ob das auch gelingt, da bin ich eher skeptisch und auch gestalterisch gefällt mir diese Lösung in geöffnetem Zustand nicht besonders. Der Film auf der Webseite des Unternehmens ist aber in jedem Fall einen Blick wert.

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