Verfasst von: Peter N. | Oktober 7, 2008

Bürobauten statt Altstadt in Sofia II

Bild von svensvensen2007

Anfang September habe ich einmal einen Bericht des Standard aufgegriffen, wonach in der bulgarischen Hauptstadt Sofia ein großer Teil der Altstadt neuen Bürobauten weichen soll. Der Plan geht auf die Kappe des Bürgermeister Boiko Borissow, der zahlreiche private Besitzer von Altbauten zwingen will, ihre Gebäude aufzustocken und zusätzlich große Tiefgaragen zu errichten. Wer den Auflagen nicht nachkommen kann oder will, soll enteignet werden, so dass finanzkräftige Investoren die baulichen Maßnahmen durchführen können.

Mittlerweile hat sich der Widerstand gegen das Projekt organisiert. Es gibt jetzt eine Bürgerbewegung namens “Forum Sofia”, die sich für die Hausbesitzer engagiert. Nachdem 800 Einsprüche von Anwohnern eingegangen sind, hat jetzt auch der Bürgermeister reagiert und dem Forum Sofia den Ball zugespielt. Die dortigen Architekten sollen nun bis Ende Oktober (!) einen Gegenvorschlag ausarbeiten. Die Zeit ist also knapp, denn schon im November soll das Stadtparlament den Plan endgültig absegnen.

Trotz der knappen Frist will das Forum Sofia jetzt bis Anfang November einen eigenen Entwurf vorstellen. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass Borissow sein ursprüngliches Vorhaben dennoch relativ unverändert durchsetzen wird, vielleicht versehen mit kleineren Änderungen, um die öffentliche Meinung zu besänftigen.

Auf lange Sicht ist gar geplant, die Altstadt überhaupt durch ein Büroviertel mit Hochhäusern zu ersetzen…


Antworten

  1. ..ich finde es wirklich schade das in so vielen Städten die alten Bauten neuen und oft langweiligen Bürogebäuden weichen müssen . Echt eine schande!

  2. Vorneweg hätt ich mal eine Frage – das pittoreske Bild für den Artikel stammt das aus Sofia??
    Ansonsten kann ich mich nur dem Vorredner anschließen…
    Anscheinend muss erst alles schöne aber nicht nützliche mit dem Zertifikat “Weltkulturerbe” versehen werden, um es vor kapitalistischen Vandalismus zu schützen.
    Aber es ist ein treffendes Bild für den Übermut und den Größenwahn des heutigen Finanzsektors – die Brecher dieser Fehlentwicklung kommt ja nicht nur in architektonischer Weise unbarmherzig auf uns alle zu
    lg

  3. Ja, das Bild stammt aus Sofia. Und wegen den Fehlentwicklungen des Kapitalismus, da sehen wir ja gerade jetzt, wohin ein allzu “Freier Markt” führen kann…

  4. Freier Markt und freie Architekten und die Freier am Strich… Ich bin ja kein Nostalgiker – aber ein wenig rückbesinnlicher Konservatismus täte uns nicht schlecht.

  5. Eigentlich ist es ziemlich schade. Man kann stattdessen genauso gut die alten Bauten renovieren.
    Ich habe vor, Anfang Februar einige Tage in Sofia zu verbringen und werde die Altstadt – wo wie sie jetzt ist – genießen.

  6. es ist wirklich traurig, wobei die bausubstanz von sofia ja schon viel früher zerstört worden ist… es ist also nicht rein das verdienst des herrn borissov, der jedenfalls genug andere fragwürdige entscheidungen trifft. generell ist unglaublich, was in sofia in den letzten fünf jahren passiert ist, grade der streifen, der die eigentliche stadt von den umliegenden dörfern trennt ist in nachgrader megalomanie zugepflastert worden. was da alles gebaut wurde und wie (???), ohne konzept, ohne ideen… dabei hat borissov es noch nicht mal geschafft, die innenstadt in ordnung zu bringen. gut, einige representative bauten sind fertig renoviert, aber dennoch kann man auf den gehwegen bis heute keinen kinderwagen schieben, über den 2 kilomter langen fahrradweg braucht man wohl gar nicht reden.
    Ich denke sofia war nie wirklich eine schöne stadt, aber die herren bemühen sich nicht, daran etwas zu verändern.


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